Die Valentin-Apotheke hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bereits zum zweiten Mal konnte der Fortbestand des Betriebs knapp gesichert werden. Nachdem der Standort wegen der Insolvenz des Pächters im Februar geschlossen worden war, konnte die Verpächterin gerade noch rechtzeitig einen Nachfolger finden. „Ich freue mich total und glaube es noch gar nicht“, sagt Inge Ende-Seidel, die die Apotheke selbst zehn Jahre führte.
In letzter Minute fand Ende-Seidel einen Nachfolger für ihre geschlossene Valentin-Apotheke in Eppertshausen. Denn Ende Juli liefe die Frist aus und die Aufsicht in Darmstadt hätte den Standort geschlossen, da er nicht barrierefrei ist. Der neue 43-jährige Inhaber beantragte bereits die Betriebserlaubnis und will Anfang September öffnen.
Ende-Seidel kann es noch gar nicht fassen, dass sie einen Käufer gefunden hat. Für eine Abstandszahlung von 15.000 Euro geht die Apotheke an den aus Syrien stammenden Apotheker, der in der Region zuvor als Vertretungsapotheker aktiv war. „Das ist zwar quasi geschenkt, aber ich hatte keinen Verhandlungsspielraum“, sagt die 77-Jährige. Eigentlich wollte sie auch die Immobilie mitverkaufen und stellte einen Preis von 695.000 Euro in den Raum. Doch daraus wird nichts.
„Ich bin froh, dass ich jemanden gefunden habe, der mutig ist und sich traut.“ Der Standort sei sehr gut, wirbt sie. Es handele sich um eine konkurrenzlose Lage im Umkreis von knapp vier Kilometern mit rund 6400 Einwohnerinnen und Einwohnern, fünf Ärztinnen und Ärzten und einem Pflegeheim. „Eppertshausen ist eine liebenswerte Gemeinde und ich habe mich dort sehr wohlgefühlt.“
1999 übernahm sie die Apotheke – ebenfalls in letzter Sekunde. Sie war dort bereits zehn Jahre angestellt, als die Eigentümer verstarben und keine Nachfolge geregelt werden konnte. Nach einem Jahr ließ sie sich zum Kauf überreden. „Die Apotheke und das Haus waren heruntergewirtschaftet, aber ich wusste, dass der Ertrag gut ist.“ Zehn Jahre führte und modernisierte sie die Apotheke, bevor sie sie aus privaten Gründen verpachtete.
Der damalige Pächter meldete Insolvenz an und schloss den Betrieb Ende Januar.Für ihn reichte der Ertrag nicht mehr aus. „Der Umsatz ist an der Untergrenze, aber der Standort ist ertragsstark“, sagt dagegen Ende-Seidel. „Ich traue dem neuen Inhaber zu, erfolgreich zu sein.“ Das Gebäude werde aktuell modernisiert und die Personalsuche laufe. Bisher gebe es erst zwei Teilzeit-PTA. „Es ist nicht einfach, Personal für eine noch nicht geöffnete Apotheke zu finden. Aber es gibt wieder eine Chance für die Valentin-Apotheke.“ Ab September soll sie als Vital-Apotheke das nächste Kapitel schreiben.